Wie war dein Elternsprechtag?

Wie war denn dein Elternsprechtag? Mein Tipp: Ruhe bewahren. Man lässt sich ja schnell mal etwas nervös machen, wenn man den Lehrern zuhört; geht mir auch so. Ich meine, nicht immer, das ist ja klar. Wenn alles "glattläuft" ist es ja gut. Die Kinder sind "brav", "fleißig", machen was man ihnen "sagt", "gliedern sich ein", sind "sozial integriert und unauffällig"...... klingt für mich jetzt erst mal wie eine Stellenbeschreibung beim Militär; aber immer läuft es halt nicht so, leider..... ich meine.. .zum Glück. Wir brauchen auch Rebellen (nicht nur Soldaten), Querdenker (nicht nur Nachmacher), Visionäre (nicht nur Angsthasen), Träumer (nicht nur Schlaftüten), Hyperaktive (nicht nur Langweiler). Ich möchte beides nicht beurteilen, alles ist OK. Die bunte Mischung macht die Suppe schmackhaft. 

Aber wisst ihr was mich beim Elternsprechtag immer am meisten wundert? Man bekommt mal gleich eine ordentliche  Liste von Dingen zu Ohren, die nicht gut laufen..... könnte mehr machen (das geht immer), Hausaufgaben vergessen (ich vergesse andauernd etwas...trotz Terminkalender), im Unterricht nicht aufmerksam ( könnte ich nie 6 Stunden lang), im Unterricht gegessen (jeder Maurer macht mal ne Brotzeit)....... Manchmal macht es Sinn nachzufragen: Wie geht es meinem Kind im Unterricht? Was kann er/sie denn gut? Was war denn positiv? Wie geht es mit der Klassengemeinschaft? Hat er Freunde und Anschluss?....... Das ist auch wichtig im Leben eines Jugendlichen oder? Das verändert manchmal auch die Perspektive der Lehrer; und die eigene. Das System Schule scheint sich so auf die Fehler der Schüler zu konzentrieren, dass es die Talente einfach nicht sieht! Ihr könnt auch konkrete Fragen stellen, was passieren sollte: Was müsste mein Kind konkret besser machen/lernen? Welche Argumente/Themen/Inhalte sind Ihnen wichtig? Hat mein Sohn noch eine Chance die Note aufzuholen? Was müsste er dafür machen? Wann planen Sie die nächsten Tests/Prüfungen? (Es ist auch nicht schlecht, die Antworten schriftlich zu notieren, das gibt dem Ganzen eine Wichtigkeit :) )

 

Und zu Hause angekommen...... nicht gleich schimpfen, zuerst mit deinem Kind reden und auch zuhören. Wie ist deine Meinung? Teilst du die Einschätzung der Mathe Lehrerin? Wie siehst du das? Kannst du die Note aufholen oder brauchst du Hilfe? Halte zu deinem Kind und unterstütze es. Noch mehr Druck hilft jetzt am wenigsten. Finde nette, unterstützende Worte, das gibt Mut. Kinder benötigen die Unterstützung und bekommen generell Druck genug auswärts: in der Schule, manchmal auch im Sportverein, Musikschule... kann sein auch bei Freunden oder in der Clique. Zu Hause sollte ein Ort der Entspannung und des Vertrauens sein, wo man aufgenommen wird und auch mal Druck ablassen kann. Wo geht das denn sonst noch? Überall sollen sie funktionieren, alles kapieren, nix riskieren und keine blöden Fragen stellen. Wenn wir als Eltern auch noch auf diesen Knopf drücke brauchen wir uns nicht wundern, wenn das Ganze eskaliert.

Ich weiß es ist schwer, mir gelingt das auch nicht immer. Wenn ich merke dass ich mal nur Scheiße rede (Zitat Sohn: "was labersch du?"), dann versuch ich es einfach mit Schweigen, nix sagen. Vielleicht mal einen Tag warten. Dann beruhigt sich meine Angst und ich sehe mein Kind wieder anders.

Manchmal versuche ich meine Kinder  wie Kunden (oder gute Freunde) zu sehen. Würdet ihr mit einem eurer Kunden so reden wie ihr manchmal mit den Kindern redet? Bevormunden, Anweisungen (gar Befehle?), Strenge, Drohungen..... Mein Geschäft würde nicht laufen, wenn ich so mit meinen Kunden reden würde. Ich will hier nicht behaupten, dass wir Rabeneltern sind. Ich weiß die meisten von uns bemühen sich, wollen das Beste und finden einfach nicht den richtigen Weg oder Ton. Angst und Unwissenheit bestimmen unsere Erziehung mit und manchmal ist es einfach so, dass wir keine andere Methode kennen oder uns trauen etwas Neues zu probieren, gefangen im System, in dem wir vielleicht selbst aufgewachsen sind.

Traut euch, probiert mal was Neues, redet mal ganz anders mit euren Kunden...... ähh Kindern. Veränderung passiert oft sehr schnell. Auf beiden Seiten.

 

Markus Lintner